Was ist Kaschmir? Materialkunde für Vintage Mode
Partager
Unglaublich weich, wunderbar warm und angenehm leicht – Kaschmir gehört zu den edelsten Naturfasern der Welt. Besonders bei Vintage Pullovern, Strickjacken und Schals aus vergangenen Jahrzehnten begegnet uns dieses luxuriöse Material immer wieder. Doch was ist Kaschmir eigentlich? Warum ist es so teuer, wie unterscheidet es sich von normaler Wolle und worauf sollte man bei der Pflege achten?
In meiner kleinen Materialkunde von Zuerich Vintage stelle ich Dir heute diese besondere Naturfaser genauer vor – inklusive Tipps zur Pflege, Vintage Shopping und Nachhaltigkeit.
Was ist Kaschmir und woher kommt es?
Kaschmir, auf Englisch Cashmere, ist eine besonders feine tierische Naturfaser, die aus dem weichen Unterhaar von Kaschmirziegen gewonnen wird.
Die Ziegen leben vor allem in Regionen mit kalten Wintern, unter anderem in der Mongolei, China und Teilen Zentralasiens. Um sich vor der Kälte zu schützen, entwickeln sie ein dichtes, feines Unterfell.
Beim natürlichen Fellwechsel im Frühling wird dieses Unterhaar meist ausgekämmt oder anderweitig gewonnen. Anschliessend werden die feinen Fasern vom gröberen Deckhaar getrennt, gereinigt und zu Garn verarbeitet.
Die Bezeichnung Kaschmir geht auf die historische Region Kaschmir im Himalaya zurück, die für die Verarbeitung und den Handel mit besonders feinen Schals bekannt wurde.
Was macht Kaschmir so besonders?
Kaschmir ist vor allem für seine aussergewöhnliche Weichheit und Wärme bekannt. Doch die Naturfaser hat noch weitere besondere Eigenschaften:
-
Unglaublich weich: Die feinen Fasern fühlen sich besonders angenehm auf der Haut an.
-
Wärmend: Kaschmir isoliert hervorragend und hält auch bei geringer Materialdicke warm.
-
Leicht: Kaschmir Pullover können erstaunlich leicht sein.
-
Atmungsaktiv: Die Naturfaser kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.
-
Angenehm elastisch: Kaschmir besitzt eine gewisse natürliche Elastizität, auch wenn Strickwaren ausleiern können.
-
Empfindlich: Reibung, häufiges Waschen und falsche Pflege können die feinen Fasern beschädigen.
Besonders geschätzt wird Kaschmir, weil es gleichzeitig leicht, weich und warm ist. Ein dünner Kaschmir Pullover kann deshalb deutlich wärmer sein, als seine geringe Dicke vermuten lässt.
Allerdings gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Faserlänge, Feinheit, Verarbeitung und Garnqualität beeinflussen, wie weich, langlebig und widerstandsfähig ein Kaschmir Kleidungsstück ist.
Kaschmir in der Vintage Mode: Von den 50ern bis zu den 90ern
Kaschmir galt schon lange vor der heutigen Zeit als luxuriöses Material. Besonders in der Vintage Mode steht es für hochwertige Strickwaren und zeitlose Eleganz.
1950er Jahre: Körpernahe Kaschmir Pullover, Twinsets und elegante Strickjacken waren beliebte Bestandteile einer gepflegten Garderobe. Pastellfarben, klassische Rundhalsausschnitte und feine Strickqualitäten prägten den Look.
1960er Jahre: Kaschmir zeigte sich in schlichten Pullovern, kurzen Cardigans und eleganten Kombinationen mit Röcken oder Stoffhosen. Klare Schnitte und feine Materialien passten hervorragend zum Stil des Jahrzehnts.
1970er Jahre: Neben klassischen Modellen wurden lässigere Silhouetten, Rollkragenpullover und natürliche Farbtöne beliebt. Kaschmir liess sich wunderbar mit dem entspannten Stil der 70er Jahre kombinieren.
1980er Jahre: Weite Kaschmir Pullover, kräftige Farben und grosszügige Schnitte entsprachen dem modischen Zeitgeist. Gleichzeitig blieben klassische, hochwertige Strickwaren gefragt.
1990er Jahre: Schlichte Kaschmir Pullover und Cardigans passten perfekt zum minimalistischen Stil der 90er Jahre. Dezente Farben, unkomplizierte Schnitte und hochwertige Materialien standen im Vordergrund.
Gerade Vintage Kaschmir ist heute interessant, weil sich darunter zeitlose Klassiker, aber auch ungewöhnliche Farben und Schnitte finden lassen.
Was ist der Unterschied zwischen Kaschmir, Mohair, Angora und Wolle?
Alle vier Materialien sind tierische Naturfasern, unterscheiden sich aber in Herkunft, Aussehen und Eigenschaften.
-
Kaschmir: Stammt aus dem feinen Unterhaar der Kaschmirziege und ist besonders weich, leicht und wärmend.
-
Mohair: Stammt von der Angoraziege und zeichnet sich durch lange, glänzende Fasern und häufig eine flauschige Oberfläche aus.
-
Angora: Stammt vom Angorakaninchen und ist besonders fein, federleicht und flauschig.
-
Schafwolle: Stammt vom Schaf und ist je nach Rasse und Verarbeitung unterschiedlich fein, elastisch und widerstandsfähig.
Während Mohair häufig einen auffälligen Flausch und seidigen Glanz besitzt und Angora besonders wolkig wirkt, zeichnet sich Kaschmir eher durch seine feine, weiche und gleichmässige Oberfläche aus.
Übrigens: Auch bei Kaschmir gibt es Materialmischungen. Wird Kaschmir beispielsweise mit Schafwolle oder Seide kombiniert, können interessante Unterschiede in Struktur, Tragegefühl und Haltbarkeit entstehen.
Wie erkennt man echtes Kaschmir?
Am zuverlässigsten ist ein Blick auf das Materialetikett. Dort steht beispielsweise «100 % Cashmere», «100 % Kaschmir» oder eine entsprechende Materialmischung.
Fehlt das Etikett, können folgende Merkmale Hinweise geben:
-
Eine besonders weiche und feine Oberfläche
-
Ein angenehm leichtes Tragegefühl
-
Gute Wärmeisolierung trotz dünnem Stoff
-
Ein eher matter, dezenter Glanz
-
Ein weicher Fall des Materials
Allerdings lässt sich echtes Kaschmir nicht allein durch Anfassen zuverlässig erkennen. Auch hochwertige Schafwolle oder synthetische Fasern können sich ähnlich anfühlen.
Ein besonders günstiger Preis ist übrigens kein sicherer Hinweis auf eine Fälschung. Gerade beim Secondhand Shopping kann man mit etwas Glück hochwertige Kaschmir Kleidung zu erstaunlich erschwinglichen Preisen entdecken.
Warum ist Kaschmir so teuer?
Kaschmir ist aufwendig in der Gewinnung und Verarbeitung. Eine einzelne Ziege liefert pro Jahr nur eine begrenzte Menge des begehrten feinen Unterhaars.
Dazu kommt, dass die gewonnenen Fasern sorgfältig vom gröberen Deckhaar getrennt werden müssen. Auch die Qualitätssortierung und Verarbeitung sind anspruchsvoll.
Hochwertiges Kaschmir Garn ist deshalb deutlich teurer als viele andere Textilfasern.
Bei Vintage Kaschmir fällt der ursprüngliche Neupreis allerdings nicht mehr direkt ins Gewicht. So lassen sich manchmal hochwertige Stücke entdecken, die neu ein Vielfaches kosten würden.
Warum bekommt Kaschmir Knötchen?
Kleine Knötchen auf der Oberfläche, sogenanntes Pilling, sind bei Kaschmir keine Seltenheit.
Sie entstehen, wenn sich durch Reibung einzelne Fasern aus dem Garn lösen und miteinander verfilzen. Besonders häufig passiert das unter den Armen, an den Seiten oder dort, wo eine Tasche am Pullover reibt.
Pilling bedeutet nicht automatisch, dass ein Kaschmir Kleidungsstück minderwertig ist. Allerdings beeinflussen Faserlänge, Garnqualität und Verarbeitung, wie stark es auftritt.
Die Knötchen lassen sich vorsichtig mit einem geeigneten Kaschmirkamm oder einem schonend verwendeten Fusselrasierer entfernen.
Wichtig ist, dabei nicht zu fest zu ziehen oder zu reiben, damit das feine Gestrick nicht beschädigt wird.
Wie wäscht und pflegt man Vintage Kaschmir?
Kaschmir ist zwar empfindlich, aber mit der richtigen Pflege kann ein hochwertiges Kleidungsstück viele Jahre schön bleiben.
Waschen: Zuerst immer das Pflegeetikett prüfen. Wenn Handwäsche erlaubt ist, den Pullover in kühlem Wasser mit einem milden Wollwaschmittel vorsichtig waschen. Nicht stark reiben, wringen oder lange einweichen. Eine Maschinenwäsche kommt nur infrage, wenn das Pflegeetikett sie ausdrücklich erlaubt.
Trocknen: Überschüssiges Wasser vorsichtig mit einem Handtuch aufnehmen und das Kleidungsstück flach liegend trocknen lassen. Kaschmir sollte weder tropfnass aufgehängt noch im Wäschetrockner getrocknet werden.
Bügeln: Bei Bedarf vorsichtig mit geringer Hitze oder Dampf behandeln, sofern das Pflegeetikett dies erlaubt. Dabei nicht fest auf das Gestrick drücken.
Aufbewahren: Kaschmir Pullover am besten gefaltet lagern, damit sie ihre Form behalten. Da Kleidermotten besonders gerne tierische Naturfasern befallen, sollten die Kleidungsstücke sauber und geschützt aufbewahrt werden.
Lüften: Kaschmir muss nicht nach jedem Tragen gewaschen werden. Häufig genügt es, den Pullover gut auszulüften und ihm zwischen den Trageeinsätzen etwas Ruhe zu gönnen.
Pilling entfernen: Kleine Knötchen vorsichtig mit einem Kaschmirkamm entfernen. Zu häufiges oder aggressives Entfernen kann die Fasern beschädigen.
Mein Tipp: Ein guter Vintage Kaschmir Pullover verdient etwas Geduld bei der Pflege. Dafür kann er Dir über viele Jahre hinweg Freude bereiten!
Ist Kaschmir nachhaltig und tierfreundlich?
Kaschmir ist eine natürliche und bei guter Pflege langlebige Faser. Trotzdem ist die Herstellung nicht automatisch nachhaltig.
Die weltweit steigende Nachfrage nach Kaschmir hat insbesondere in Teilen der Mongolei und Chinas zu einer intensiveren Ziegenhaltung beigetragen. Überweidung kann dort empfindliche Graslandschaften belasten und die Bodenerosion fördern.
Auch das Tierwohl spielt eine wichtige Rolle. Entscheidend sind unter anderem die Haltungsbedingungen, die Fütterung und die schonende Gewinnung der Fasern.
Bei neu produziertem Kaschmir lohnt es sich deshalb, auf transparente Lieferketten und glaubwürdige Nachhaltigkeits- und Tierwohlstandards zu achten.
Und wie sieht es mit Vintage Kaschmir aus?
Ein Vintage Kaschmir Pullover wurde bereits vor Jahren oder Jahrzehnten hergestellt. Wenn er weitergetragen wird, verlängert sich seine Nutzungsdauer, ohne dass dafür ein neues Kleidungsstück produziert werden muss.
Das macht Secondhand Kaschmir besonders interessant: Du kannst eine hochwertige Naturfaser geniessen und gleichzeitig bereits vorhandene Ressourcen weiterverwenden.
Natürlich lässt sich bei älteren Vintage Stücken meist nicht mehr nachvollziehen, unter welchen Bedingungen die Fasern ursprünglich gewonnen wurden. Umso sinnvoller finde ich es, gut erhaltene Kleidungsstücke möglichst lange zu nutzen.
Wie kombiniert man Vintage Kaschmir heute?
Kaschmir ist ein echter Styling Allrounder! Durch seine feine Oberfläche wirkt das Material elegant, lässt sich aber genauso gut lässig kombinieren.
Ein klassischer Kaschmir Pullover aus den 50er oder 60er Jahren passt wunderbar zu einem Midirock, einer eleganten Hose oder einer hochgeschnittenen Jeans.
Ein weiter Kaschmir Pullover aus den 80ern sieht zu schmalen Hosen und Stiefeletten besonders schön aus.
Für einen minimalistischen 90er Jahre Look kombinierst Du einen schlichten Kaschmir Cardigan mit einer Stoffhose, Loafers und dezentem Vintage Schmuck.
Und wer gerne verschiedene Materialien kombiniert, trägt Kaschmir zu Leder, Denim oder Seide. Der Kontrast zwischen weicher Strickmode und glatten Oberflächen macht das Outfit besonders interessant.
Kurz gesagt:
Kaschmir ist eine besonders feine, weiche und wärmende Naturfaser aus dem Unterhaar der Kaschmirziege. In der Vintage Mode findet man sie vor allem bei hochwertigen Pullovern, Twinsets und Strickjacken aus den 50er bis 90er Jahren. Mit der richtigen Pflege kann Vintage Kaschmir jahrzehntelang getragen werden und bietet eine schöne Möglichkeit, hochwertige Mode weiterzuverwenden.
Besitzt Du selbst ein Vintage Kaschmir Kleidungsstück? Oder hast Du beim Secondhand Shopping schon einmal einen echten Kaschmir Schatz entdeckt?
Liebi Grüess us Zueri
Kate vo Zuerich Vintage