Was ist Viskose? Materialkunde für Vintage Kleidung
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Weich, fliessend und angenehm leicht – Viskose ist ein Material, das uns in der Vintage Mode immer wieder begegnet. Besonders bei Kleidern und Blusen aus den 40er bis 90er Jahren ist die vielseitige Faser häufig anzutreffen. Manchmal fühlt sie sich fast wie Seide an, manchmal ähnelt sie eher Baumwolle. Doch was ist Viskose eigentlich? Handelt es sich um eine Naturfaser oder Kunstfaser? Und warum findet man auf alten Vintage Etiketten häufig die Bezeichnung Rayon?
In meiner kleinen Materialkunde von Zuerich Vintage stelle ich Dir heute dieses spannende Material genauer vor – inklusive Tipps zur Pflege, Nachhaltigkeit und zum Vintage Shopping.
Was ist Viskose und woraus besteht sie?
Viskose ist eine künstlich hergestellte Faser aus natürlicher Cellulose. Diese wird meist aus Holz gewonnen, beispielsweise aus Buche, Fichte oder Eukalyptus.
Die Cellulose wird in einem chemischen Verfahren aufgelöst und anschliessend zu neuen Fasern verarbeitet. Deshalb zählt Viskose zu den sogenannten regenerierten Cellulosefasern.
Das klingt zunächst etwas kompliziert, bedeutet aber eigentlich nur: Der Ausgangsstoff ist pflanzlich, die Faser selbst wird industriell hergestellt.
Viskose ist somit weder eine klassische Naturfaser wie Baumwolle oder Leinen noch eine vollsynthetische Faser wie Polyester oder Polyamid.
Die Herstellung wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird Viskose industriell produziert und für unterschiedlichste Kleidungsstücke verwendet.
Warum wird Viskose auch Rayon oder Kunstseide genannt?
Vielleicht hast Du auf einem Vintage Etikett schon einmal die Bezeichnung «Rayon» entdeckt. Besonders bei amerikanischer Vintage Kleidung kommt dieser Begriff häufig vor.
Rayon ist eine englische Bezeichnung für eine Gruppe regenerierter Cellulosefasern, zu der auch Viskose gehört. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird Rayon häufig gleichbedeutend mit Viskose verwendet.
Früher wurde das Material ausserdem als Kunstseide bezeichnet, weil die ersten Viskosegarne den Glanz und die fliessenden Eigenschaften echter Seide nachahmen sollten.
Das Material war deutlich günstiger als Seide und ermöglichte dadurch elegante, glänzende Stoffe für ein breiteres Publikum.
Übrigens: Auf alten Etiketten begegnen Dir manchmal auch Begriffe wie «Zellwolle». Damit wurden bestimmte, zu kurzen Fasern geschnittene regenerierte Cellulosefasern bezeichnet.
Was macht Viskose so besonders?
Viskose ist vor allem für ihren angenehmen Fall und ihr weiches Tragegefühl bekannt. Doch die Faser besitzt noch weitere interessante Eigenschaften:
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Weich: Viskose fühlt sich meist angenehm glatt und weich auf der Haut an.
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Fliessend: Die Stoffe fallen häufig besonders schön und eignen sich für luftige Kleider, Blusen und Röcke.
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Atmungsaktiv: Viskose kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und sorgt dadurch oft für ein angenehmes Tragegefühl.
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Leicht: Viele Viskose Stoffe sind dünn und leicht, weshalb sie sich besonders gut für Sommerkleidung eignen.
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Farbenfroh: Viskose lässt sich gut färben und ermöglicht intensive Farben und auffällige Muster.
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Vielseitig: Je nach Verarbeitung kann das Material seidig, matt, glatt oder sogar wollähnlich wirken.
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Knitteranfällig: Viskose kann relativ schnell Falten bilden.
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Empfindlich bei Nässe: Herkömmliche Viskose verliert im nassen Zustand deutlich an Festigkeit und kann bei falscher Pflege einlaufen oder sich verziehen.
Gerade der schöne Fall macht Viskose für Vintage Kleider so interessant. Das Material bewegt sich angenehm mit und eignet sich hervorragend für weich fallende Silhouetten.
Viskose in der Vintage Mode: Von den 40ern bis zu den 90ern
Viskose blickt auf eine lange Modegeschichte zurück. Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bot sie eine erschwingliche Alternative zu Seide.
1940er Jahre: Rayon war ein beliebtes Material für Kleider, Blusen und Futterstoffe. Gerade weich fallende Kleider mit floralen Mustern und eleganten Schnitten wurden häufig aus entsprechenden Stoffen hergestellt.
1950er Jahre: Viskose wurde für feminine Kleider, Blusen und elegante Alltagsmode verwendet. Die Faser eignete sich sowohl für fliessende Stoffe als auch für strukturiertere Gewebe.
1960er Jahre: Mit den neuen Schnitten und Farben der 60er Jahre wurde auch Viskose vielseitig eingesetzt. Leichte Blusen, Kleider und gemusterte Stoffe gehörten dazu.
1970er Jahre: Jetzt wurde es besonders spannend! Luftige Maxikleider, fliessende Röcke, Blusen und farbenfrohe Muster passten hervorragend zum Boho Stil der 70er Jahre.
1980er Jahre: Viskose zeigte sich in auffälligen Blusen, fliessenden Kleidern und eleganten Zweiteilern. Kräftige Farben und grosse Muster gehörten zum typischen Look.
1990er Jahre: Besonders beliebt waren weich fallende Kleider, schlichte Blusen und minimalistische Schnitte. Auch die lässige Sommermode dieser Zeit profitierte von den angenehmen Eigenschaften der Viskose.
Gerade Vintage Viskose Kleider sind heute interessant, weil man darunter viele besondere Druckmuster, Farben und Schnitte entdeckt.
Was ist der Unterschied zwischen Viskose, Baumwolle, Seide und Polyester?
Auf den ersten Blick können sich diese Materialien durchaus ähnlich anfühlen. Tatsächlich unterscheiden sie sich aber deutlich in ihrer Herkunft und ihren Eigenschaften.
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Viskose: Wird aus natürlicher Cellulose chemisch hergestellt und ist besonders für ihren weichen, fliessenden Fall bekannt.
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Baumwolle: Ist eine pflanzliche Naturfaser, die direkt aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen wird. Sie ist meist strapazierfähiger, insbesondere im nassen Zustand.
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Seide: Ist eine tierische Naturfaser aus den Kokons der Seidenraupe. Sie besitzt einen natürlichen Glanz und eine besonders feine Struktur.
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Polyester: Ist eine synthetische Faser, die überwiegend aus erdölbasierten Rohstoffen hergestellt wird. Sie ist in der Regel formbeständiger und trocknet schneller als Viskose.
Während Polyester häufig weniger knittert und Baumwolle meist robuster ist, überzeugt Viskose besonders durch ihren fliessenden Fall und ihre gute Feuchtigkeitsaufnahme.
Ist Viskose dasselbe wie Modal oder Lyocell?
Nein, aber die drei Materialien sind miteinander verwandt.
Viskose, Modal und Lyocell gehören alle zur Gruppe der regenerierten Cellulosefasern. Sie werden aus pflanzlicher Cellulose hergestellt, unterscheiden sich jedoch in ihren Herstellungsverfahren und teilweise auch in ihren Eigenschaften.
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Viskose: Die klassische regenerierte Cellulosefaser, die besonders weich und fliessend ist, aber im nassen Zustand empfindlich sein kann.
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Modal: Eine weiterentwickelte Cellulosefaser mit höherer Nassfestigkeit und häufig guter Formbeständigkeit.
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Lyocell: Wird in einem anderen Herstellungsverfahren produziert, bei dem das eingesetzte Lösungsmittel weitgehend zurückgewonnen werden kann. Bekannt ist die Faser unter anderem unter dem Markennamen TENCEL.
Bei Vintage Kleidung findet man besonders häufig klassische Viskose beziehungsweise Rayon. Modal und Lyocell begegnen uns eher bei jüngeren Kleidungsstücken.
Wie erkennt man echte Viskose?
Am einfachsten ist ein Blick auf das Materialetikett. Dort steht beispielsweise «100 % Viskose», «Viscose» oder «Rayon».
Fehlt das Etikett, können folgende Merkmale auf Viskose hindeuten:
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Ein weicher, geschmeidiger Griff
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Ein besonders fliessender Fall
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Eine glatte, manchmal leicht glänzende Oberfläche
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Ein angenehm kühles Gefühl auf der Haut
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Eine gewisse Knitteranfälligkeit
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Eine gute Feuchtigkeitsaufnahme
Allerdings können auch Seide, Polyester oder andere Materialien ähnlich aussehen und sich ähnlich anfühlen.
Allein anhand des Aussehens lässt sich Viskose deshalb nicht zuverlässig bestimmen.
Gerade bei älteren Vintage Stücken ohne Materialetikett ist eine eindeutige Zuordnung manchmal schwierig.
Warum läuft Viskose beim Waschen ein?
Das ist eine der wichtigsten Fragen bei diesem Material!
Herkömmliche Viskosefasern quellen bei Kontakt mit Wasser stark auf und verlieren dabei einen Teil ihrer Festigkeit. Zusätzlich können sich Spannungen lösen, die während der Herstellung und Verarbeitung des Stoffes entstanden sind.
Dadurch können Kleidungsstücke beim Waschen einlaufen oder ihre Form verändern.
Besonders problematisch sind hohe Temperaturen, starkes Reiben, Schleudern und das Aufhängen schwerer, nasser Viskose Kleidung.
Nicht jedes Viskose Kleidungsstück läuft automatisch ein. Wie empfindlich es ist, hängt unter anderem von der Faserqualität, der Stoffkonstruktion und der Verarbeitung ab.
Gerade bei älteren Vintage Kleidern ist deshalb besondere Vorsicht angebracht.
Wie wäscht und pflegt man Vintage Viskose?
Viskose kann bei falscher Pflege empfindlich reagieren. Besonders ältere Vintage Kleidungsstücke sollten deshalb möglichst schonend behandelt werden.
Waschen: Zuerst immer das Pflegeetikett beachten. Falls Handwäsche erlaubt ist, das Kleidungsstück nur vorsichtig in kühlem Wasser mit einem geeigneten milden Waschmittel reinigen. Starkes Reiben und Wringen unbedingt vermeiden. Eine Maschinenwäsche kommt nur infrage, wenn das Pflegeetikett sie erlaubt.
Trocknen: Viskose möglichst nicht tropfnass aufhängen, da sich das Material durch das Gewicht des Wassers verziehen kann. Überschüssiges Wasser vorsichtig mit einem Handtuch aufnehmen und empfindliche Kleidungsstücke liegend trocknen lassen.
Bügeln: Viskose lässt sich häufig bei niedriger bis mittlerer Temperatur bügeln, sofern das Pflegeetikett dies erlaubt. Am besten auf links und gegebenenfalls mit einem Bügeltuch arbeiten.
Aufbewahren: Leichte Viskose Blusen und Kleider können auf geeigneten Bügeln aufbewahrt werden. Schwere oder dehnbare Stücke sollten besser gefaltet werden, damit sie ihre Form behalten.
Flecken entfernen: Flecken möglichst vorsichtig behandeln und nicht kräftig reiben. Bei empfindlichen oder besonders alten Vintage Stücken kann eine professionelle Reinigung sinnvoll sein.
Mein Tipp: Vintage Viskose braucht etwas Aufmerksamkeit. Dafür belohnt Dich das Material mit einem wunderbar fliessenden Fall und einem angenehmen Tragegefühl!
Ist Viskose nachhaltig?
Viskose wird aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt, meistens aus Holz. Das klingt zunächst besonders umweltfreundlich.
Allerdings ist die Produktion nicht automatisch nachhaltig.
Bei der klassischen Viskoseherstellung werden Chemikalien eingesetzt, darunter Schwefelkohlenstoff. Bei unzureichenden Sicherheits- und Umweltstandards können diese Stoffe die Gesundheit der Beschäftigten und die Umwelt belasten.
Auch die Herkunft des Holzes spielt eine wichtige Rolle. Wird Cellulose aus nicht nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gewonnen, kann die Herstellung zur Entwaldung und zum Verlust von Lebensräumen beitragen.
Umweltverträglicher kann die Produktion sein, wenn das Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Quellen stammt und Chemikalien sowie Emissionen streng kontrolliert werden.
Viskose ist somit nicht automatisch eine nachhaltige Alternative zu Polyester oder Baumwolle. Entscheidend sind die Rohstoffherkunft, das Herstellungsverfahren und die tatsächlichen Produktionsbedingungen.
Und wie sieht es mit Vintage Viskose aus?
Bei Secondhand und Vintage Kleidung ist die Situation etwas anders. Das Kleidungsstück wurde bereits vor Jahren oder Jahrzehnten hergestellt.
Wenn Du ein Vintage Viskose Kleid kaufst, verlängerst Du seine Nutzungsdauer, anstatt ausschliesslich auf neu produzierte Mode zurückzugreifen.
Natürlich lassen sich die ursprünglichen Produktionsbedingungen bei älteren Kleidungsstücken meist nicht mehr nachvollziehen. Trotzdem ist es sinnvoll, gut erhaltene Vintage Mode weiterzutragen und vorhandene Ressourcen möglichst lange zu nutzen.
Gerade bei hochwertigen Viskose Kleidern aus vergangenen Jahrzehnten lohnt sich die sorgfältige Pflege besonders.
Wie kombiniert man Vintage Viskose heute?
Viskose ist ein echtes Styling Multitalent! Durch ihren weichen, fliessenden Fall eignet sie sich besonders gut für elegante, romantische und lässige Outfits.
Ein florales Viskose Maxikleid aus den 70er Jahren sieht mit Stiefeletten und einer Lederjacke wunderbar aus. Dazu passen auffällige Vintage Ohrringe oder ein breiter Gürtel.
Eine gemusterte Viskose Bluse aus den 80ern lässt sich hervorragend mit einer schlichten Jeans oder einer eleganten Stoffhose kombinieren.
Für einen minimalistischen 90er Jahre Look passt ein schlichtes Viskose Kleid zu Sandalen, einer kleinen Schultertasche und dezentem Vintage Schmuck.
Und wer Farben und Muster liebt, kombiniert eine auffällige Vintage Viskose Bluse mit einer farbigen Hose oder einem gemusterten Rock.
Gerade weil Viskose so schön fällt, entstehen damit oft besonders feminine und bewegliche Silhouetten.
Kurz gesagt:
Viskose ist eine künstlich hergestellte Faser aus natürlicher Cellulose, die besonders für ihre weiche Oberfläche, den fliessenden Fall und das angenehme Tragegefühl bekannt ist. In der Vintage Mode begegnet sie uns häufig unter der Bezeichnung Rayon, vor allem bei Kleidern, Blusen und Röcken aus den 40er bis 90er Jahren. Mit der richtigen Pflege kann Vintage Viskose noch lange Freude bereiten.
Hast Du schon einmal ein Vintage Kleid aus Rayon entdeckt? Oder wusstest Du bisher gar nicht, dass Rayon und Viskose so eng miteinander verwandt sind?
Liebi Grüess us Zueri
Kate vo Zuerich Vintage