Vor- und Nachteile von Kunstfaser
Share
Vintage Kleidung gilt als nachhaltige Alternative zu neu produzierter Mode, weil die Kleidungsstücke bereits existieren und weitergetragen werden. Doch viele Vintage Stücke bestehen ganz oder teilweise aus Kunstfasern wie Polyester, Polyamid oder Acryl. Da stellt sich irgendwann die Frage: Wie nachhaltig ist Vintage Kleidung aus Kunstfaser eigentlich?
Oder etwas ketzerischer formuliert: Ist Polyester wirklich des Teufels?
Welche Vorteile haben Kunstfasern?
Kunstfasern sind aus der Modewelt kaum wegzudenken. Das hat durchaus Gründe: Sie sind häufig robust, pflegeleicht und trocknen schnell. Ausserdem lassen sich mit synthetischen Fasern sehr unterschiedliche Farben, Muster und Oberflächen herstellen.
Und ganz praktisch betrachtet: Viele Kleidungsstücke aus Polyester knittern kaum. Bügeln? Oft nicht nötig. Aus der Waschmaschine, trocknen lassen und direkt wieder anziehen? Easy.
Gerade bei Vintage Kleidern, Blusen oder Röcken aus Polyester kann das im Alltag ziemlich angenehm sein.
Welche Nachteile haben Polyester und andere Kunstfasern?
Natürlich gibt es auch Nachteile. Synthetische Stoffe sind meist weniger atmungsaktiv als Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder Seide. Je nach Kleidungsstück und Situation kann das einen grossen Unterschied machen.
Im klimatisierten Büro? Oft überhaupt kein Problem.
Am heissen Strand? Vielleicht eher nicht die erste Wahl.
Kunstfasern können sich ausserdem statisch aufladen. Der entscheidende ökologische Nachteil ist jedoch, dass viele synthetische Fasern auf fossilen Rohstoffen basieren und nicht biologisch abbaubar sind.
Beim Waschen synthetischer Textilien können zudem sehr kleine Kunststofffasern freigesetzt werden. Auch deshalb lohnt es sich, vorhandene Kleidung möglichst lange zu tragen und nicht unnötig häufig zu waschen.
Ist Vintage Polyester trotzdem nachhaltig?
Hier wird es interessant. Denn bei einem Vintage Kleidungsstück ist die Kunstfaser bereits produziert worden.
Wenn Du ein vorhandenes Polyesterkleid weiterträgst, muss für dieses Kleidungsstück kein neues Material hergestellt werden. Du verlängerst seine Lebensdauer und verhinderst im besten Fall, dass es frühzeitig entsorgt wird.
Das macht ein Vintage Stück aus Polyester natürlich nicht plötzlich biologisch abbaubar. Nachhaltigkeit besteht aber aus mehr als nur der Frage, aus welchem Material ein Kleidungsstück gefertigt wurde.
Auch Nutzungsdauer, Pflege, Wiederverwendung und die Vermeidung von Neuproduktion spielen eine wichtige Rolle.
Genau deshalb kann ein bereits existierendes Kleid aus Polyester aus meiner Sicht durchaus sinnvoller sein als ein neues Kleidungsstück, das nur wenige Male getragen wird.
Naturfaser oder Kunstfaser – was ist besser?
Ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten.
Baumwolle, Wolle, Leinen und Seide haben andere Eigenschaften und ökologische Auswirkungen als Polyester, Polyamid oder Acryl. Gleichzeitig spielen die Herstellung, Qualität, Lebensdauer und Häufigkeit des Tragens eine Rolle.
Ein Kleidungsstück, das Du viele Jahre gerne trägst, ist letztlich etwas anderes als ein Stück, das nach wenigen Monaten aussortiert wird.
Bei Vintage Mode kommt noch ein entscheidender Punkt hinzu: Das Kleidungsstück ist bereits da.
Welche Vor- und Nachteile Du stärker gewichtest, bleibt deshalb eine persönliche Entscheidung und hängt auch vom einzelnen Stück ab.
Wie pflegt man Vintage Kleidung aus Polyester nachhaltig?
Auch bei synthetischer Vintage Kleidung gilt: Je länger sie getragen werden kann, desto besser.
Wasche sie nur, wenn es wirklich nötig ist, beachte das Pflegeetikett und behandle empfindliche Vintage Stücke möglichst schonend. So bleibt die Kleidung länger schön und Du kannst sie im besten Fall viele weitere Jahre tragen.
Und wenn ein Kleidungsstück irgendwann wirklich nicht mehr tragbar ist, sollte es möglichst nicht einfach im Hausmüll landen.
Was passiert mit alten Textilien in der Schweiz?
In der Schweiz werden gebrauchte Textilien unter anderem über Sammelsysteme wie TEXAID gesammelt und sortiert. Tragbare Stücke können weiterverwendet werden, während andere Textilien je nach Zustand und Material einer weiteren Verwertung zugeführt werden können.
Gerade deshalb lohnt es sich, Kleidung am Ende ihrer Nutzungsdauer sinnvoll weiterzugeben oder über geeignete Sammelstellen zu entsorgen.
Also: Ist Polyester des Teufels?
Ich finde: Nein.
Neu produzierte Kunstfasern bringen ohne Frage ökologische Probleme mit sich. Bei bereits existierender Vintage Kleidung aus Polyester sieht die Situation aber anders aus. Das Material wurde längst hergestellt – jetzt geht es darum, das Kleidungsstück möglichst lange sinnvoll weiterzunutzen.
Und genau darin liegt eine der grossen Stärken von Vintage Mode: Dinge nicht vorschnell auszusortieren, sondern ihnen ein zweites, drittes oder vielleicht sogar viertes Leben zu geben.
Neben der ökologischen Nachhaltigkeit bleibt natürlich noch eine weitere wichtige Frage: Unter welchen Bedingungen wurde unsere Kleidung eigentlich produziert? Aber das ist ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag.
Kurz gesagt: Vintage Kleidung aus Polyester ist zwar nicht biologisch abbaubar, aber das Material existiert bereits. Wer ein gut erhaltenes Vintage Stück aus Kunstfaser lange trägt, sorgfältig pflegt und am Ende sinnvoll weitergibt oder entsorgt, verlängert seinen Lebenszyklus und vermeidet zusätzliche Neuproduktion.
Liebi Grüess us Zueri
Kate von Zuerich Vintage