Was ist Ziegler Keramik? Schweizer Vintage Keramik erkennen

Handbemalte Vasen, farbenfrohe Schalen und elegante Keramik mit ungewöhnlichen Glasuren: Ziegler Keramik aus Schaffhausen gehört zu den interessanten Vertretern der Schweizer Keramikgeschichte.

Fast 150 Jahre lang produzierte die Zieglersche Tonwarenfabrik Geschirr, Vasen und dekorative Keramik. Besonders die kunstvollen Stücke aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sind heute bei Vintage Liebhaberinnen und Sammlern gefragt.

Vielleicht hast Du selbst schon einmal eine Vase oder Schale mit einer Ziegler Markierung im Brocki entdeckt.

Aber was ist Ziegler Keramik eigentlich? Woher stammt sie, woran erkennt man ältere Stücke und welche Rolle spielte der bekannte Keramiker Gustav Spörri?

Was ist Ziegler Keramik?

Ziegler Keramik bezeichnet die Produkte der ehemaligen Zieglerschen Tonwarenfabrik in Schaffhausen, die von 1828 bis 1973 bestand.

Das Unternehmen gehörte zu den bedeutenden Schweizer Herstellern von Keramik und Tonwaren.

Zum Sortiment gehörten zunächst vor allem Gebrauchsgegenstände wie Kochgeschirr, Schüsseln und andere Haushaltsartikel.

Daneben produzierte die Fabrik auch Baukeramik, technische Tonwaren und dekorative Objekte.

Besonders die kunsthandwerklichen Vasen, Schalen und Ziergefässe sind heute für Vintage Sammler interessant.

Woher stammt Ziegler Keramik?

Die Geschichte beginnt im Jahr 1828.

Damals pachtete der Winterthurer Unternehmer Jakob Ziegler die städtische Ziegelhütte in Schaffhausen und entwickelte daraus eine erfolgreiche Tonwarenfabrik.

Schon bald wurde das Sortiment um Geschirr und andere keramische Produkte erweitert.

Das Unternehmen wuchs und errichtete sogar Produktionsgebäude auf beiden Seiten des Rheins – in Schaffhausen und auf Zürcher Kantonsgebiet.

Über fünf Generationen blieb die Fabrik mit der Familie Ziegler verbunden.

Eine besonders dramatische Episode ereignete sich am 1. April 1944: Bei der irrtümlichen Bombardierung Schaffhausens durch amerikanische Flugzeuge wurden grosse Teile der Fabrik und das Firmenarchiv zerstört.

Nach dem Krieg wurde der Betrieb wieder aufgebaut.

1973 stellte die Tonwarenfabrik schliesslich ihre Produktion ein.

Was ist typisch für Ziegler Keramik?

Die lange Unternehmensgeschichte führte zu einer grossen Vielfalt an Formen und Dekoren.

Besonders interessant sind die dekorativen Stücke aus dem frühen und mittleren 20. Jahrhundert.

Typische Merkmale sind:

  • Formen: Vasen, Schalen, Krüge, Teller und dekorative Gefässe.
  • Farben: Unterschiedliche Blau-, Grün-, Braun- und Naturtöne sowie mehrfarbige Dekore.
  • Glasuren: Glatte, glänzende, matte oder kunstvoll strukturierte Oberflächen.
  • Muster: Florale Motive, geometrische Formen und handbemalte Verzierungen.
  • Material: Vor allem Steingut in unterschiedlichen Ausführungen.

Je nach Herstellungszeitraum können sich die Stücke allerdings stark unterscheiden.

Eine Vase aus der Zeit um 1900 sieht häufig ganz anders aus als ein Entwurf aus den 1950er Jahren.

Wer war Gustav Spörri?

Eine besonders wichtige Persönlichkeit in der Geschichte der Ziegler Keramik war Gustav Spörri (1902–1976).

Der Schweizer Keramiker übernahm 1949 die künstlerische Leitung der neu eingerichteten Kunstkeramikabteilung.

Bis 1964 entwickelte er zahlreiche dekorative Keramikentwürfe.

Besonders bekannt sind seine Vasen und Schalen mit modernen Formen, interessanten Glasuren und grafischen Verzierungen.

Viele seiner Arbeiten lassen sich stilistisch dem Mid-Century Design zuordnen.

Bei Sammlern sind insbesondere eindeutig gekennzeichnete Stücke aus dieser Zeit interessant.

Welche Ziegler Keramik stammt aus den 50er und 60er Jahren?

Gerade in den 1950er und 1960er Jahren entstanden zahlreiche moderne Keramikobjekte.

Die Kunstkeramikabteilung unter Gustav Spörri produzierte dekorative Vasen, Schalen und andere Wohnaccessoires.

Typisch waren teilweise abstrakte und geometrische Muster sowie abwechslungsreiche Glasuren.

Auch das Geschirr erhielt zeitgemässe Formen und Dekore.

Besonders interessant ist ein um 1960 entstandenes Mokkaservice mit sogenanntem Wollfadendekor, das sich in der Sammlung des Museums zu Allerheiligen befindet.

Solche Stücke zeigen, wie die Schweizer Keramikproduktion traditionelle Handwerkskunst mit modernen Gestaltungsideen verband.

Woran erkennt man echte Ziegler Keramik?

Ein wichtiger Hinweis befindet sich häufig auf der Unterseite.

Je nach Zeitraum wurden unterschiedliche Fabrikmarken, Stempel, Etiketten und eingeritzte Kennzeichnungen verwendet.

Manche Stücke tragen den Namen Ziegler oder eine Herkunftsangabe mit Bezug zu Schaffhausen.

Bei Arbeiten aus der Kunstkeramikabteilung können zusätzlich Hinweise auf Gustav Spörri vorkommen.

Allerdings ist nicht jedes Stück eindeutig gekennzeichnet.

Da die Fabrik über einen sehr langen Zeitraum produzierte, unterscheiden sich die Markierungen erheblich.

Für eine zuverlässige Bestimmung lohnt sich deshalb der Vergleich mit dokumentierten historischen Stücken.

Besonders hilfreich ist die wissenschaftliche Datenbank CERAMICA CH, die zahlreiche Objekte und Marken der Zieglerschen Tonwarenfabrik dokumentiert.

Was bedeuten die Zahlen auf Ziegler Keramik?

Auf manchen Ziegler Stücken findet man eingeritzte oder gestempelte Zahlen.

Diese können beispielsweise auf bestimmte Formen, Dekore oder interne Produktionskennzeichnungen hinweisen.

Bei der Bestimmung ist allerdings Vorsicht angebracht.

Die Zahlen lassen sich nicht bei allen Ziegler Stücken nach einem einheitlichen System interpretieren.

Anders als bei manchen deutschen Keramikherstellern kann man deshalb nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass eine bestimmte Zahlenkombination aus Modellnummer und Höhe besteht.

Auch eine Jahreszahl lässt sich nicht ohne Weiteres aus jeder Bodenmarkierung ableiten.

Wer eine Ziegler Vase datieren möchte, sollte deshalb möglichst mehrere Merkmale miteinander vergleichen.

Ist Ziegler Keramik wertvoll?

Das hängt vom jeweiligen Stück ab.

Die Tonwarenfabrik produzierte sowohl alltägliches Geschirr als auch aufwendig gestaltete Kunstkeramik.

Besonders interessante Entwürfe, seltenere Dekore und eindeutig zuordenbare Arbeiten von Gustav Spörri können bei Sammlern gefragt sein.

Wichtige Faktoren sind:

  • Alter und Herstellungszeitraum
  • Seltenheit der Form oder des Dekors
  • Hersteller- und Künstlerkennzeichnungen
  • Erhaltungszustand
  • Nachfrage bei Sammlern

Risse, Absplitterungen oder starke Beschädigungen können den Wert beeinflussen.

Nicht jede alte Schale aus Schaffhausen ist deshalb automatisch eine kostbare Rarität.

Aber manchmal sind gerade die unscheinbaren Stücke besonders schön!

Was ist der Unterschied zwischen Ziegler Keramik und West German Pottery?

Obwohl beide Begriffe historische Keramik bezeichnen, gibt es einen wichtigen Unterschied.

Ziegler Keramik stammt aus der Schweiz, genauer aus der ehemaligen Tonwarenfabrik in Schaffhausen.

West German Pottery bezeichnet dagegen dekorative Keramik aus Westdeutschland, insbesondere aus den 1950er bis 1980er Jahren.

Während Hersteller wie Scheurich, Bay und Ruscha vor allem für ihre farbenfrohen Vasen bekannt sind, besitzt Ziegler eine wesentlich längere Unternehmensgeschichte.

Auch bei Ziegler entstanden moderne dekorative Vasen, die sich hervorragend mit West German Pottery kombinieren lassen.

Wie kombiniert man Ziegler Keramik mit modernen Möbeln?

Besonders schön finde ich die Kombination von Schweizer Vintage Keramik mit schlichten modernen Möbeln.

Eine handbemalte Schale auf einem Holztisch, eine besondere Vase auf einem Sideboard oder mehrere Keramikobjekte auf einem Regal können einem Raum sofort mehr Persönlichkeit verleihen.

Auch zu einer Einrichtung im Mid-Century Modern Stil passen viele Stücke aus der Kunstkeramikabteilung wunderbar.

Du musst also nicht gleich ein ganzes Keramikmuseum zu Hause eröffnen. Manchmal reicht schon eine einzige besondere Vase!

Bei Zuerich Vintage findest Du handverlesene Vintage Deko, Keramik, Glas und besondere Wohnaccessoires aus verschiedenen Jahrzehnten.

Kurz gesagt:

Ziegler Keramik stammt aus der ehemaligen Zieglerschen Tonwarenfabrik in Schaffhausen, die von 1828 bis 1973 produzierte. Besonders interessant sind die dekorativen Vasen, Schalen und Kunstkeramikstücke des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Keramiker Gustav Spörri prägte ab 1949 die moderne Kunstkeramik des Unternehmens.

Ich persönlich finde es besonders spannend, dass diese Keramik ganz in unserer Nähe entstanden ist. Beim nächsten Brocki-Besuch werde ich deshalb wohl noch genauer auf die Unterseiten der Vasen schauen. Nicht, dass sich dort ein kleines Stück Schweizer Designgeschichte versteckt! ;-)

Und wie sieht es bei Euch aus? Habt Ihr schon einmal Ziegler Keramik entdeckt oder sogar ein Stück zu Hause?

Liebi Grüess us Zueri
Kate vo Zuerich Vintage

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